Psychosen und Neurosen 2.2.3.1 Zyklothymie
Zyklothymie ist eine, mit extremen Stimmungsschwankungen einhergehende Psychose, in deren Verlauf sowohl manische als auch depressive Stimmungen als Kernsymptom vorkommen. Die beiden einander entgegengesetzten Stimmungspole können sich ablösen.
Etwa ein Prozent der Gesamtbevölkerung erkranken, wobei weibliche Geschlecht deutlich häufiger betroffen ist, als das männliche. Das Verhältnis beträgt in etwa 70 zu 30 %.
Die endogene Depression
Sie äußert sich in massiven, psychischen Störungen, greift jedoch auf vielfältiger Weise in das körperliche Geschehen ein. Dabei unterscheidet man die depressiven Grundsymptome von den depressiven Begleitsymptomen.
Depressive Grundsymptome
Bei der depressiven Grundstimmung handelt es sich um eine schwermütige, traurige Stimmungslage mit Gleichgültigkeit und Apathie. Die Traurigkeit überfällt den Patienten grundlos, unmotivierbar und hat vitalen Charakter, das heißt,. sie betrifft die Lebensempfindung. Vitalgefühle sind Leibesempfindungen, die sich nicht bestimmten Organen zuordnen lassen, sondern individuell projiziert werden. Meist sind die Gefühle der Angst und der Schuld in der depressiven Stimmung eingebettet, wodurch es zu Wahnbildungen kommen kann. Rapide Stimmungsschwankungen sind charakteristisch für die endogene Depression.
Denkhemmung
“Durch die tiefe Traurigkeit werden neben der Gefühlssphäre auch alle anderen psychischen Funktionen in Mitleidenschaft gezogen, insbesondere das Denken.”
Dem Patienten fehlen hierbei vor allem die Einfälle. Das eigene Versagen wird von dem Betreffenden häufig als starke Selbstkritik und Selbstwertschwäche verinnerlicht.
Hemmung der Handlungsfähigkeit
Sie bezeichnet die Einengung der Beziehung eines Patienten zu seiner Umwelt, wobei die Ursache in einer Lähmung aller Antriebskräfte, wie Initiative, Aktivität und Kraft liegt. Somit kann sich der Betroffene zu alltäglichen Verrichtungen nicht aufraffen, jeder Entschluß fällt ihm schwer.
Depressive Begleitsymptome
Dies sind körperliche Mißempfindungen, die von Patient zu Patient variieren können.
Allgemeine Symptome sind z.B. Schlafstörungen, Appetitlosigkeit und Schmerzempfindungen verschiedener Art, die auf alle möglichen Körperregionen projiziert werden können. Die Schlaflosigkeit kommt am häufigsten vor. Oft findet man auch Herz- und Atembeschwerden, die sich in Form von Herzrhythmusstörungen, Beklemmungsgefühlen oder Atemnot äußern. Zusätzlich kommen noch Störungen der Verdauungsorgane, wie z.B. Mundtrockenheit, Engegefühl im Hals, Völlegefühl, Druck in der Magengegend und hartnäckige Verstopfung vor. Oftmals werden Schmerzen und Störungen im Bereich des Unterleibes und der Genitalorgane angegeben. Diese sind Menstruationsbeschwerden oder ein nachlassender, bzw. erlischender Geschlechtstrieb.
“Aus der Verarbeitung von depressiven Grund- und Begleitsymptomen erwächst noch eine ganze Reihe wahnhaft übersteigerter, depressiver Ideen (produktive Symptome). Die häufigsten sind Versündigungsideen, Verarmungsideen, Minderwertigkeitsideen und übersteigerte hypochondrische Krankheitsbefürchtungen.”
Bei den Versündigungsideen werden Jugendsünden, wie onanieren hervorgekramt, man steigert sich in einen Wahn. Jegliches Selbstbewußtsein fehlt dem Patienten bei den Verarmungs- und Minderwertigkeitsideen.
Hypochondrische Krankheitsbefürchtungen kommen oft vor, dabei ist der Patient wahnhaft überzeugt, an einer unheilbaren Krankheit zu leiden. Die Selbstmordgefahr ist bei endogenen Depressionen sehr hoch, so daß Patienten oft stationär in der geschlossenen Abteilung einer Klinik behandelt werden müssen.
Endogene Manie:
Als Gegenstück zur Depression ist die endogene Manie gekennzeichnet durch:
- gehobene, sogenannte euphorische Grundstimmung
- Antriebsvermehrung
- Ideenflucht mit starkem Redezwang
- erhöhtes Selbstwertgefühl bishin zum Größenwahn
- Verflachung des Gefühlslebens
- gesteigertes und körperliches Wohlempfinden
Der Patient wirkt in seiner euphorischen Stimmung sehr heiter, humorvoll, witzig und ist in seinem Einfallsreichtum sehr originell.
Ein im psychischen und körperlichen Bereich geäußerter Antriebsüberschuß zeigt sich bei den Patienten durch eine hektische Betriebsamkeit. Der Betroffene hat große Pläne, rennt stark hin
und her und sein Redefluß ist nicht zu bremsen. Er kann auch sehr hemmungslos sein, wie z.B. verschwenderisch.
Der vermehrte Zustrom von Einfällen ist die Ideenflucht. Es kommt zu einem unruhigen und oberflächlichen Denken mit Konzentrationsmängel und starker Ablenkbarkeit. Aus den genannten Kennzeichen läßt sich ein erhöhtes Selbstwertgefühl kaum ausschließen, weil der Patient durch seine heitere Stimmung und das körperliche Wohlempfinden sein Selbstbild anhebt. Dieses typische, gesteigerte Wohlempfinden bereitet oft Schwierigkeiten bei einer stationären Einweisung in eine Klinik, da dem Betroffenen die Notwendigkeit dieser Maßnahme nicht ersichtlich ist. In der Klinik drängt er oft darauf nach Hause zu wollen, da ihm angeblich nichts fehlt.
“Die affektive Verflachung äußert sich in einer mangelhaften Gefühlsansprechbarkeit und der Unfähigkeit, tiefergehende Gefühlsregungen zu empfinden. Deshalb sind die Patienten auch nicht in der Lage, tiefere menschliche Bindungen einzugehen.”
Therapie
Medikamentöse Behandlung
Medikamente sollen immer gezielt eingesetzt, sowie regelmäßig und zum richtigen Zeitpunkt verabreicht werden.
Der Arzt hat die Aufgabe neue Medikamente anzuordnen, wohingegen die Schwester für die regelmäßige und zeitlich richtige Verabreichung sorgen muß.
Die medikamentöse Therapie bei der Zyklothymie hat folgende Schwerpunkte:
- Bekämpfung der Schlaflosigkeit
- symptomatische Bekämpfung körperlicher Störungen
- gezielte Beeinflussung depressiver Kernsymptome
Es werden Schlafmittel und Medikamente mit stimmungsaufhellender, hemmungslösender und unruhedämpfender Wirkung eingesetzt.
Beschäftigungstherapie
Die Beschäftigungstherapie soll den Patienten psychisch auflockern und wieder gemeinschaftsfähig machen. Es erfordert sehr viel Gedult, den Patienten zur Teilnahme einer dieser Therapie zu animieren. Der Schwerpunkt liegt in musischen Betätigungen, wie Malen, Zeichnen und Formen. Dabei soll ein optimistisches Selbstbild aufgebaut werden.
Arbeitstherapie
Bei der Arbeitstherapie soll der Patient durch stufenweise Steigerung von körperlichen Anforderungen an seine Umwelt angepaßt werden. Die körperliche Arbeit lenkt den Patienten von der psychotischen Gedankenwelt ab und die Bewegung steigert das leibliche Wohlempfinden. Die Arbeitstherapie ist ein großer Schritt zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft und Arbeitswelt.
Bestandteil des Referats “Psychosen und Neurosen” … zum Inhaltsverzeichnis