Wie geht’s weiter nach dem Informatikjahr 2006
2006 ist vorbei… und nun?
Das Informatikjahr 2006 endete offiziell mit der Abschlussveranstaltung am 18. Dezember in Berlin. Entscheidende Frage wird nun sein, ob die zahlreichen, durchaus sehr erfolgreichen Projekte und Veranstaltungen nur punktuell gewirkt haben, oder ob sie der Informatik dauerhafte neue Freunde gewinnen konnten. „Es sei wichtig, Top-Talente für die IT-Branche zu gewinnen“: Das sagte der wissenschaftliche Leiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz in Saarbrücken, Professor Doktor Wolfgang Wahlster, bei seiner Rede am 18. Dezember im Berliner Congress Center. Was wird bleiben nach all den Projekten: nach “Informatikjahr sucht den Informatikstar” mit der Kür des besten jungen Produzenten elektronischer Musik (der übrigens weiblich ist)? Nach Science-Fiction-Autoren-Wettbewerben? Nach Roboterbau für Jugendliche? Und nach Kongressen zur Thematik sowie dem Chipdesign-Wettbewerb? Langsam klingen sie aus, die Vorlesungsreihen, von denen einige bis ins frühe Jahr 2007 reichen. Und dann? Das ist eine durchaus berechtigte Frage. Diskutiert wurden im Rahmen des Informatikjahres auch problematische Tendenzen, beispielsweise jene schon länger befürchtete mögliche Teilung der Gesellschaft in Onliner und Offliner, also in Internetnutzer und zurückbleibende Nichtnutzer. Nicht die Frage „Wie beeinflusst Informatik unser Leben?“ sollte im Fokus des Informatikjahres stehen, viel eher die Frage „Wie soll Informatik in Zukunft unser Leben beeinflussen?“ So beschrieb es die Bundesforschungsministerin Dr. Annette Schavan in ihrer Eröffnungsrede. Drei Prinzipien hat sie für die Zukunft der IT-Branche Deutschlands genannt:
- Exzellenz, also fördernder Wettbewerb mit den Besten, national und international.
- Innovationsfreundlichkeit.
- Bündelung der Kräfte.
Es wird sich zeigen, etwa in den Stellenanzeigen, in den Angeboten für Jobs, ob derartige Anstrengungen über das Jahr 2006 hinausreichen, mehr sind als schön klingende Worte, und ob die Gesamtgesellschaft von der Entwicklung profitieren kann. Nur, wenn Informatik tatsächlich Arbeitslosigkeit spürbar zu vermindern vermag, wenn eine gesellschaftliche Spaltung in Nutzer und Nichtnutzer neuer Technologien ausbleibt, dann hat das Informatikjahr 2006 seinen Sinn erfüllt. Es wird spannend sein, die weiteren Tendenzen zu beobachten.
Andreas Reer
S_reer@arcor.de