Vermißte Bekannte kontaktieren
Das Internet ist und bleibt das größte Kuriositätenkabinett der Welt. Da gibt es Homepages, die niemals einen Leser finden werden, auch wenn sich deren Autoren mächtig ins Zeug legen und die Tastatur nur so qualmen lassen. Lustig bis bedauernswert geben sich die Werbefallen, die kein Pixel ungenutzt und so die Browser ahnungsloser Stöberer nur so vor kommerziellem Bunt spritzen lassen. Und dann sind da noch diese merkwürdig versteckten und reichlich unorthodox daherkommenden Funktionen, mit denen manche Websites von sich Reden machen wollen und von denen man nie genau weiß, ob sie eher als wertvoll oder als sehr nutzlos einzustufen sind.
Das Fundstück des Jahres aus dieser Kategorie: Quetal von duwir.de. Vermißte Verwandte und Bekannte suchen und dabei ohne Kontaktdatenstriptease erreichbar sein, versprechen die Betreiber. Skepsis: Entweder gibt sich der Suchende zu erkennen oder der Gefundene kann sich nicht beim Suchenden melden. Bleibt die Frage des Zeus: Wie funktioniert Quetal?
Der Dreh- und Angelpunkt ist der Name, genauer die Kombination aus Vor- und Nachname. Jeder, der sich dort registriert, kann sich auch mit seinem Namen als potentieller Nachrichtenempfänger deklarieren. Oh, schon wieder persönliche Daten ins Internet stellen, stöhnt der Datenschutzfuchs - was ist der Nutzen? Erreichbarkeit, hallt es aus den AGB von duwir.de und meint damit, daß gestreßte Suchende Nachrichten an Vermißte abspeichern können, zusammen mit deren Vor- und Nachnamen. Sobald der Name, der quasi als Adresse der Botschaft fungiert, mit einem Namen eines Registrierten übereinstimmt, bekommt dieser die Nachricht als eMail zugestellt.
Fairerweise bleibt zu erwähnen, daß weder Namen noch Nachrichten veröffentlicht werden. Nur bei Namensübereinstimmung werden Kontaktdaten und Nachricht weitergegeben. Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, daß die Nachrichten auf eine eine wahrscheinlich sehr große Festplatte gekratzt werden und deshalb auch nach Monaten oder Jahren noch versandt werden, denn sich jemand mit einem übereinstimmenden Namen registriert. Einen Wehmutstropfen werden wohl Menschen mit häufig vorkommenden Namenskombinationen aus den Tränendrüsen kullern lassen müssen, weil sie wohl eher Irrläufer abgreifen werden. Aber das kann ja trotzdem ganz lustig sein. Interessanterweise bietet der gleiche Webseitenbetreiber auch ein Mailgate an, sodaß Such- und Schreibwütige anstatt ihrer eMail-Adresse einen Link auf Ihr Mailgate-Formular mitschicken können. Gegen Spam und Fishing schützt die Bildcodeeingabe sowohl im Mailgate-Formular als auch beim Versenden der Nachricht.
Und wer braucht eine Funktionalität wie Quetal? Merkwürdig oder genial?