Tasmanien, südlichster Bundesstaat Australiens, Insel mit dunkler Vergangenheit.
Niemand kommt einfach mal nach Tasmanien, für eine Wochenendtour ist es einfach zu weit weg, Tasmanien ist nun mal kein Kreuzungspunkt der internationalen Fluglinien. Nach der Insel an der Südküste Australiens ist der nächste Stop nur noch die eisige Antarktis.
1642 wurde Tasmanien vom holländischen Seefahrer Abel Tasman entdeckt und er nannte die Insel nach seinem Gönner Van-Diemens-Land. Abel Tasman wusste noch nicht ob er eine Insel gefunden hatte oder Festland. Erst Mathew Flinders segelte 1798 um Tasmanien und bewies so den Inselcharakter.
Es lohnt sich die lange Reise von Europa nach Downunder auf sich zu nehmen, auch wenns am Ziel der Reise eher nach Voralpenland aussieht denn nach Tropischen Urlaubsgefilden. Zugegebenermaßen ist es in Tasmanien etwas wärmer als im Bayrischen. Die Engländer bezeichnen die Australische Insel auch als ihre Isle of Wight, nur eben weiter im Süden. Die Engländer haben durch ihre Kolonialzeit anscheinend immer noch eine starke affinität zu Australien.
Im Süden bricht die felsige Küste steil aus dem Wasser. Etliche Gefangene, die in der Zeit zwischen von 1832 bis 1877 in dem englischen „Vorzeigegefängnis“ in Port Arthur eingesperrt wahren, zogen einen Sprung von den steilen Klippen dem Gefängnissalltag vor. Die Chance von dort in die Freiheit zu kommen stand schlecht. Wer den Sprung überlebte mußte auch noch an den Haien und anderen Gefahren der Tasmansee vorbei. Motivierend für den Sprung wirkte sich die schwere Arbeit in Sägemühlen oder Steinbrüchen aus.
Hinterlassenschaft aus der Gefangenen Zeit Tasmaniens sind die von Sträflingen erbauten Straßen, Brücken und Gebäude im kolonialen Stil. Auch die heute zu Ruinen zerfallenen, steinernen Gefängnisse mussten von den Gefangenen gebaut werden. Als Insel eignete sich Tasmanien herrvorragend als Deportationslager für die schlimmsten Wiederholungstäter. Die Festlandaustralier waren froh, alle jene die in der königlichen Strafkolonie auffällig wurden, nach Tasmanien verbannen zu können. In den folgenden Jahrzehnten schufen diese Verbannten die Gefängnisse die wir heute für romantische Ruinen halten.
Das kuriose Gefangenenmuseum in der Nähe von Copping an der Landstraße Richtung Port Arthur ist eine Attraktion, die man bei seinem Urlaub in Australien nicht auslassen sollte. Interessant sind auch die gut organisierte Gruseltouren durch die Gefängnissanlagen. Nächtliche Touren bei einfachem Öllicht können wirklich grusellig sein.
Die, zur Zeit Tasmans, etwa 8000Aborigines Tasmaniens, die hier seit Urzeiten getrennt von ihren Brüdern in Australien, lebten, wurden von den Gefangenen immer weiter verdrängt und mit Hilfe der späteren Siedler nahezu ausgerottet. An der Nordküste in der nähe von Cape Grim gibt es sogar eine Bucht die „Suicide Bay“ genannt wird. Dort sollen sich eine Gruppe von Aborigines, auf der Flucht vor einer Gruppe entflohener Gefangener, in den Tod gestürzt haben. Diese unrühmliche Vergangenheit Van Diems Land wollten die Bewohner der Insel später mit der Umbenennung in Tasmanien abschütteln.
Dagobert Wiedamann