Die Redeflußstörung Stottern
Die Redeflußstörung Stottern ist durch häufige Wort- bzw. Silbenwiederholungen gekennzeichnet, bei einzelnen Buchstaben bleibt der Betroffene hängen, im Sprachbild tauchen oft verzögernde Füllwörter auf und Laute werden verlängert. Wenn dieses sprachliche Erscheinungsbild über einen Zeitraum von mehr als 3 Monaten in alltäglichen Situationen auftritt, gilt die Diagnose Stottern als gesichert.
Stottern beginnt meist um das 6. Lebensjahr und verliert sich bei einem Großteil der Kinder in der Pubertät. Wenn die Redeflußstörung auch danach anhält, ist eine komplette Remission höchst selten.
Jungen und Männer sind deutlich häufiger betroffen als der weibliche Teil der Bevölkerung.
Als zum Teil unbewußte Reaktion folgt bei den Betroffenen meist ein gewisses Flucht- oder Vermeidungsverhalten in der Konversation mit Mitmenschen:
der Stotterer versucht dann, bestimmt Laute, Worte oder ganze Gesprächssituationen zu vermeiden; die gesamte (Sprach-) Muskulatur kann sich verspannen, wodurch das Stottern häufig noch verstärkt wird.
Die psychischen Folgen können bis hin zu Minderwertigkeitskomplexen, Angstattacken und Kontaktstörungen führen.
Die genauen Gründe, wie es zum Stottern kommt, sind noch nicht nachgewiesen.
Als eine Ursache des Stotterns ist die genetische Veranlagung wahrscheinlich.
Anderen Theorien zufolge entwickelt sich das Gehirn, die Sprechverarbeitung betreffend, bei Stotterern anders - Sprache und Sprechen kann nicht richtig in Einklang gebracht werden.
Nach der Breakdown-Theorie bricht infolgedessen die Sprechverarbeitung zusammen. Durch eigene Ängste und erfahrene negative Reaktionen der Umwelt manifestiert sich das Stottern und führt durch Konditionierung schließlich zum o.g. Vermeidungsverhalten des Betroffenen.
Grundsätzlich gibt es, gerade bei Erwachsenen, keine vollständige “Heilung” des Stotterns.
Das erfolgversprechendste Stotterer-Training ist “Stuttering Modification” nach der Methode von Charles van Riper. Hierbei wird das Stottern bewußt angenommen und verändert, der richtige Umgang mit der Störung soll erlernt werden, um das Vermeideverhalten und letztlich den Rückzug aus der Gesellschaft zu verhindern.
Beim “Fluency Shaping” erlernt der Stotterer flüssiges Sprechen durch neue Sprechtechniken, die Rückfallquote und damit das Frustrationsrisiko sind allerdings hoch.
Logopädisches Kommunikationstraining und das Einüben von Gesangs-, Atem-und Stimmtechniken haben sich als hilfreich erwiesen.
Autor: Thomas Nissen