2.1 Die soziale Ungleichheit / soziale Differenzierung
Begriff der sozialen Ungleichheit
In unserer Gesellschaft sind soziale Positionen, sozialer Status, Eigentum und Einkommen, Macht und Prestige ungleich verteilt. Diese Situation wird als soziale Ungleichheit bezeichnet und stellt in großen Teilen der Bevölkerung ein gesellschaftliches Problem dar.
Der Begriff “soziale Ungleichheit” ist stark wertbehaftet und wird daher auch durch den Begriff “soziale Differenzierung” ersetzt.
Es gibt unter den Gesellschaftsmitgliedern verschiedene Einstellungen über den Grad der Akzeptanz in bestimmten Sozialgruppen. Soziale Ungleichheit empfinden viele Leute als normalen Zustand in einer Gesellschaft. Die Unterschiede
der verschiedenen sozialen Schichten werden zwar erkannt, aber nicht als veränderungsbedürftig angesehen.
Soziale Ungleichheit wird von der Mehrheit der Bevölkerung toleriert, da in unserer Gesellschaft Chancengleichheit (z.B.
durch die Bildungsreform) und soziale Mobilität (siehe 3.) vorhanden sind. Wieder andere Gesellschaftsmitglieder vertreten die Meinung, daß dies ein untragbarer sozialer Zustand ist, der nur durch revolutionäre Veränderungen der gesellschaftlichen Basisstrukturen aufgehoben werden kann.
Zur Erfassung sozialer Ungleichheit
Zur Feststellung sozialer Ungleichheit setzt man voraus, daß die Gesellschaftsmitglieder erkennen, welche Bevölkerungsgruppen ein hohes, mittleres oder geringes Ansehen genießen. Die Menschen sind sich der Kriterien ihre gesellschaftliche Stellung bewußt. Diese Kriterien erfassen die Ungleichheitsdimension, die für die Bevölkerung von existentieller Bedeutung ist. Es herrschen in verschiedenen Kulturen unterschiedliche Ungleichheitsdimensionen: bei Naturvölkern zählt die politische Bildung nicht, wie in den Industriestaaten zu den wichtigen Aspekten; vielmehr gibt es dort andere Kriterien, die das gesellschaftliche Ansehen bestimmen. Darum ist die Aufgabe von Soziologen die Dimension herauszuarbeiten, die für die zu untersuchende Gesellschaft relevant ist.
Soziale Ungleichheit entsteht durch Unterschiede der faktischen Lebensverhältnisse (z.B. Lebensstandard, Arbeitsbedingungen) aber auch durch unterschiedlich zur Verfügung stehender Ressourcen für die Lebensgestaltung. Wichtig sind in unserer Gesellschaft der Besitz eines Arbeitsplatzes, Vermögen, Einkommen, Bildungsabschlüsse, Rechtsansprüche und Zugangsmöglichkeiten zur Nutzung öffentlicher Einrichtungen.
Folgende Faktoren spielen bei der sozialen Ungleichheit der Gesellschaft eine Rolle:
- religiöse Ungleichheiten: Angehörige einer Religionsminderheit
- gesundheitliche Ungleichheiten: Menschen, die aufgrund einer Krankheit oder Behinderung nicht in das soziale Umfeld passen
- rassenspezifische Ungleichheiten: Menschen, die sich in ihrer Hautfarbe oder Staatsangehörigkeit von den anderen Menschen unterscheiden.
- berufliche Ungleichheiten: Menschen, die sich in ihrer beruflichen Position oder Tätigkeit unterscheiden
- ortsabhängige Ungleichheiten: Menschen, die aus einem für die Region als verrufen geltenden Ort kommen.
Die Ungleichheitsforschung in der BRD
Die Ungleichheitsforschung in der BRD hat sich anfangs hauptsächlich mit der Einkommens-, Vermögens- und Prestigedifferenzierung befaßt. In den 50er Jahren wurde das Bildungswesen zu einem wichtigen Element der Untersuchungen, und in den 60er Jahren wurden mehr und mehr Daten über die Ungleichheit des Konsumstandes, der Gesundheitsversorgung und der Versorgungsansprüche im Rahmen der sozialen Sicherung gesammelt und bearbeitet. Weiter wurden Kriterien, wie ungleiche Arbeitsbedingungen und Arbeitsplatzrisiken, sowie die Machtverhältnisse in der Forschung wichtig.