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Psychosen und Neurosen 2.2.3.2 Schizophrenie

Schizophrenie kommt aus dem griechischen und heißt wörtlich übersetzt “Spaltung der Seele”. Viele behaupten, daß es sich bei den erkrankten Menschen um eine Spaltung in zwei Persönlichkeiten handelt. Man kann aber eher sagen, daß sich diese Menschen in zwei Wirklichkeiten befinden. Einmal gibt es die “reale Wirklichkeit”, welche dem normalen Verständnis und Empfinden der Durchschnittsbevölkerung entspricht. Jedoch empfinden diese Menschen gleichzeitig eine “zweite Wirklichkeit”. Dort erfahren sie Dinge und nehmen Sinneseindrücke wahr, die gesunde Menschen nicht nachvollziehen können. Eine klare Definition der Schizophrenie ist schwierig, sie ist eher eine Gruppe von endogenen Psychosen, die unter Ausschluß einer manisch-depressiven Psychose übrig bleibt.
Symptome

Es werden hier nur die charakteristischen,aus einer Vielzahl von Symptomen aufgeführt.
Denkstörungen

Sie äußern sich in Zerfahrenheit, sich überstürzende, kreuz und quer durcheinandergehende Gedanken und plötzliche Blockierung des Gedankenablaufs. Es kommt zu Wahnvorstellungen und zu Wahneinfällen.

Beim Beeinflussungswahn fühlt sich der erkrankte Mensch von außen manipuliert. Er glaubt, Radiowellen zu empfangen und fühlt irgendwelche Ströme durch sich hindurchfließen.

Der Verfolgungswahn äußert sich bei dem Schizophrenen so, daß er sich von einer großen Macht verfolgt fühlt. Er traut sich nicht aus dem Haus, da er jeden verdächtigt, ihn zu verfolgen.

Ein Größenwahn befördert den Patienten zum Herrscher, Präsidenten oder Propheten. Religiöse Vorstellungen, die sich als Begandungswahn äußern, sind sehr häufig. Viele Erkrankte leiden unter einem Vergiftungswahn und verweigern daraufhin oft jegliche Nahrungsaufnahme.

Formal und inhaltlich gesehen, äußern sich Denkstörungen in der sprachlichen Ausdrucksweise, dabei kann es zu Wortneubildungen kommen.
Sinnestäuschungen

Zu den Sinnestäuschungen zählt man illusionäre Verkennungen und Halluzinationen. AkustischeHalluzinationen treten in Form von “Stimmenhören” am häufigsten auf. Desweiteren gibt es noch Leibeshalluzinationen, optische Halluzinationen (Erleuchtungen, Visionen, etc.) und Geschmackshalluzinationen.
Störungen der Affektivität

Hier werden die verschiedenen Störungen des Gefühlslebens, wie Verstimmungen, Gemütsverödung, Gefühlsverkehrung und schizophrenem Autismus, aufgezeigt.

Verstimmungen können tiefste Traurigkeit und Verzweiflung aufweisen, woraus eine Suizidgefahr entstehen kann. Andererseits werden auch ekstatische Glückszustände erreicht. In diesen Stimmungslagen bewegen sich ängstliche und von dranghafter Unruhe gekennzeichnete Zustände. Diese Stimmungen schlagen eine Gefühlsrichtung ein, man spricht dann von einer Affektsteife der Kranken.

Eine Gemütsverödung führt zum Verlorengehen der Fähigkeiten Gefühle zu äußern oder darauf zu reagieren.

Reaktionen, die starke Emotionen hervorrufen, wie zum Beispiel bei Todesfällen, werden von den Schizophrenen nicht mehr richtig wahrgenommen.

Gefühlsverkehrung ist das Auseinanderfallen von Erlebnissen und der ihm zugeordneten Gefühlsreaktion. Beispielsweise führen traurige Erlebnisse zu heiteren Gefühlsreaktionen. Oft reagieren die Kranken gefühllos.

Autismus ist eine Form, in der sich der Kranke völlig von der Außenwelt abkapselt und in sich zurückzieht. Er lebt sozusagen in seiner eigenen Welt. Es ist kaum möglich mit ihm Kontakt aufzunehmen.
Formen der Schizophrenie

Folgende Formen der im Vordergrund stehenden Krankheitserscheinungen werden aufgeführt:

- Hebephrenie

- Katatonie

- Paranoide (wahnbildende Schizophrenie)

“Hebephremie ist eine im Jugendalter (15 - 20 Jahre) beginnende Verlaufsform mit Denkzerfahrenheit, Antriebsverarmung und Gemütsverödung”.
Die Jugendlichen ziehen sich dabei von Freunden und Familie zurück und geraten in abstruse Wahnsysteme.

“Katatonie (Spannungsirresein) beginnt um das 25. Lebensjahr mit akuten Erregung- oder Spannungszuständen und verläuft in Schüben mit fast symptomfreien Intervallen. Sie hat die besten Heilungsaussichten, weil die Störungen sich rasch zurückbilden können, doch verschlechtern sich die Aussichten mit jedem neuen Schub.”

“Paranoide (wahnbildende) Schizophrenie ist eine etwa ab dem 35. Lebensjahr auftretende Form. Es herrschen Wahnideen vor, die häufig das einzig faßbare Symptom bleiben und zu ganzen Wahnsystemen aufgebaut werden. Auch Halluzinationen kommen vor. Bei dieser Form bleibt die Persönlichkeit oft erhalten, der Wahn wird jedoch nie aufgegeben. Je nach dem Inhalt unterscheidet man Verfolgungs-, Eifersuchts-, Propheten-, Liebes- und Größenwahn etc. Die meisten Psychiater rechnen die Paranoia zur Schizophrenie. Nicht selten kommt es auch hier zu einem schleichenden, oft von der Umgebung kaum bemerkten Persönlichkeitsverfall.”
Verlauf der Schizophrenie

Die Schizophrenie verläuft schubweise. Jeder Schub kann Defekte in Form von Persönlichkeitsveränderung und Intelligenzabbau mit sich führen. Die Veränderungen zeigen sich meist etwa nach dem dritten Schub.

In Ausnahmefällen gibt es jedoch “Schübe”, die keine Veränderung verursachen. Hierbei spricht man von schizophrenen Episoden.

Nach den umfangreichen Studien des Schweizer Psychiaters Eugen Bleuler können wir
beobachten, daß ein akuter Krankheitsbeginn in 5 - 15 % der Fälle zu Demenz führt, ein schleichender Krankheitsbeginn bei 10 - 20% der Betroffenen. Der periodische Verlauf führt in 30 - 40 % der Fälle zum Defekt, in 25 - 35% zur Heilung.

In den ersten zwei Jahren kann man noch auf eine Spontanremission hoffen, nach 5jähriger, ununterbrochener Krankheitsdauer sind praktisch keine Remissionen mehr zu erwarten. Die besten Chancen auf Heilung haben die katatonen Formen, die schlechtesten die hebephrenen, während bei den paranoiden, die Aussichten auf Heilung ihrer Wahnvorstellung gering sind. Wenn Persönlichkeitsveränderungen und Intelligenzabbau ausbleiben, kann der Patient häufig wieder in das soziale Leben eingegliedert werden.
Ursachen

Die eigentliche Ursache der Schizophrenie ist immer noch ungeklärt. Untersuchungen an Familien Schizophrener und an eineiiger Zwillinge haben ergeben, daß die Vererbung eine wichtige Rolle spielt. Eine Zusammensetzung der wichtigsten Untersuchungen über die Erblichkeit der Schizophrenie hat ergeben, daß die Erkrankungswahrscheinlichkeit für die Eltern bei 5 - 10%, für die Geschwister bei 8 - 14%, unter zweieiigen Zwillingen bei 5 - 16% und unter eineiigen bei 20 - 75% liegt.

Aus diesen Untersuchungen kann man schließen, daß der Erbfaktor einen großen Einfluß auf die Krankheit hat, aber nicht allein für deren Entstehung verantwortlich gemacht werden kann.

Bei intensiver Untersuchung psychogener Einflüsse auf die Entstehung schizophrener Erkrankungen hat sich gezeigt, daß die individuelle Eigenart des Betroffenen, belastenden Lebensereignissen (Tod naher Angehöriger) zugrundeliegt und auch das Familienklima eine auslösende, aber nicht ursächliche Rolle in der Entwicklung einer Schizophrenie spielen können.

Welchen Stellenwert biochemische Vorgänge oder äußere Einflüsse an der Verursachung der Krankheit haben, ist noch unklar. Man geht davon aus, daß es sich bei der Schizophrenie um eine Stoffwechselstörung handelt, da diese häufig in Zeiten biologischer Umstellungen, wie z.B. in der Pubertät, Schwangerschaft, Wochenbett und Wechseljahre auftreten.
Rehabilitation der Schizophrenie
Medikamentöse Behandlung

Da die Ursache der Schizophrenie weitgehend unbekannt ist, ist auch eine allgemeine Behandlung dieser Krankheit nicht möglich. Es gibt jedoch eine Reihe von Maßnahmen, die günstig auf den Krankheitsprozeß einwirken und den gefürchteten schizophrenen Schub abkürzen, ja sogar zu langandauernden Remissionen führen.

Dank der Einführung der Neuroleptika sind die früher so häufig und langanhaltenden psychotischen Erregungszustände nur noch selten zu beobachten.

Neuroleptika sind Medikamente, die ganz verschiedenen chemischen Gruppen angehören und nach Verabreichung eine allgemeine Beruhigung ohne wesentliche Beeinträchtigung des Wachbewußtseins bewirken.

Bei der Wirkungsweise der Neuroleptika lassen sich drei Komponenten herausstellen:

1. Neuroleptika haben eine dämpfende Wirkung, die zur allgemeinen Beruhigung und
zur Unterdrückung von Erregungs- und Spannungszuständen dient.

2. Extrapyramidial-motorische Wirkung:
Sie zeigt sich vor allem im Auftreten eines symptomatischen “Parkinson-Syndroms”
mit Tremor, Speichelfluß und Amimie. Treten diese Erscheinungen im Extrem auf,
können diese auch schon als Nebenwirkung aufgeführt werden. Sie lassen sich
durch die Antiparkinsonmittel bekämpfen. Häufig werden diese prophylaktisch, gleichzeitig
mit den Neuroleptika verabreicht.

3. Vegetative Wirkung:
Ein Großteil der Neuroleptika führt zu einer Senkung des Blutdrucks, Pulsveränderungen,
schwitzen, Schwindel, Gewichtszunahme und Magen- und Darmstörungen. Auch diese
Erscheinungen kann man durchaus als Nebenwirkungen einschätzen. Man kann ihnen
durch prophylaktische Verabreichung entsprechender Medikamente begegnen.
Therapie

Die Beschäftigungstherapien und Arbeitstherapien, die bei schizophrenen Patienten angewandt werden, sind mit denen, in Kapitel 3.2.3.1 beschriebenen Therapien identisch.

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