Rokoko-Königin Marie Antoinette und ihre Poudreuse
Ende des 17. /18. Jahrhunderts schminkten sich die Damen am königlichen Hof noch an ihren ‚Toilette-Tischen’, darin enthalten waren Spiegelkästchen und die von ihnen benötigten Utensilien zur Schönheitspflege. Ab ca. 1750 entwickelte sich aus diesem Vorläufer die Poudreuse – ein Toiletten, bzw. Frisiertischchen mit aufklappbarer Lade. Eine dreigeteilte Platte konnte dabei nach rechts und links geklappt werden, in der Mitte befand sich eine weitere, nach oben aufklappbare Lade mit fest integriertem Spiegel. Diese und andere antiquarische Möbel mit dem Charme vergangener Geschichte lassen sich mit viel Glück auch heute noch bei einem der Münchner Antiquitätenhändler erstehen. Mit noch ein bisschen mehr an Glück kann der Interessierte teilhaben an dem Wissen des Händlers und wird auf Hintergründe und Besonderheiten seiner Antiquität hingewiesen. Wer sich auf die zielgerichtete Suche begeben will, lässt sich den ANTIK-GUIDE, einen Antiquitätenführer für München, zusenden.Die Poudreuse, ein zierliches Damenmöbel, entsprach wie keines sonst der prächtigen Hofhaltung von Marie Antoinette und der ihres Gatten Louis des XVI. in Versailles. Angetrieben von der rastlosen Verschwendungs- und Repräsentiersucht des Versailler Hofes profitierten Kunst und Handwerk in Bezug auf Fertigung und Anspruch. Marketerietechniken und Rocailleschnitzerei waren bei Rokokomöbeln beliebte Verzierungen. Auf die Bezahlung jedoch konnten viele der Handwerker lange warten – auch eine Königin damaliger Zeit konnte zeitweise zahlungsunfähig sein.
Eine endlos sich drehende Spirale wurde in Gang gesetzt. Um sich von der ebenfalls vermögend gewordenen Bildungsschicht der Beamten, Juristen und Doktoren abheben zu können – nicht mehr unbedingt an der Kleidung ließ sich Status und Vermögen ablesen – wurden Mode, Möbel und Lebensstil immer aufwändiger und raffinierter. Die Röcke dank höfischem Zeremoniell und Reifrock immer weiter, die Haarpracht turmhoch getragen, Perücken waren vonnöten. Der Ausspruch „Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen“ kennzeichnet wie kein anderer das Verhältnis der Königin und des Königs zu ihrem Volk. Nicht böser Wille war es, der Marie Antoinette trieb, eher das Unverständnis und Unwissen eines egozentrischen Kindes.
Die Poudreuse galt als weibliches Gegenstück zum Schreibtisch des Herrn. Teilweise wurde die Poudreuse von der Damenwelt auch als Mischung von Frisier- und Schreibtisch genutzt. In erster Linie jedoch um sich der zu Zeiten des Rokoko üblichen Toilette hinzugeben: da zuviel Wasser als ungesund galt wurden Körpergerüche mit viel wohlriechendem Puder überdeckt.
Dieses zierliche und oft wunderschön gearbeitete Damenmöbel wurde noch bis in die Biedermeierzeit hinein gearbeitet. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Spiegel, oft dreiteilig, fest mit der Tischplatte verbunden und verlor erst mit Entstehen der Badezimmer seine Bedeutung.
Margit Häuser
Antik-guide.de