Müstair in Südtirol
Wer bei Taufers in Südtirol (Italien) die Grenze in Richtung Graubünden Schweiz) überschreitet, der befindet sich in Müstair, dem historischen Hauptort des Münstertales. Müstair ist der rätische Name für Münster.
Das kunsthistorische Highlight der Region und darüber hinaus ist auch der Namensgeber für den Ort: Seit 1983 ist das Münster St. Johann wie Regensburg auf der UNESCO-Liste der Weltkulturgüter. Ein moderner Wallfahrtsort, zumindest für Kulturfreunde.
Die Gründung von Münstair geht wohl auf Karl den Großen zurück, der auch gleich ganz Churrätien dem Bischof von Chur übereignete. Die Benediktiner leisteten hier Pionierarbeit und machten die umliegenden Gebiete urbar.
Von Aussen betrachtet fällt als erstes der wuchtige Plantaturm auf. Dieser war als letzter Schutz bei Einfällen der Ungarn und Awaren gedacht. Ansonsten präsentiert sich St. Johann als romanische Anlage mit den drei halbrunden Apsidien und einem plumpen Glockenturm.
Die kunsthistorischen Kostbarkeiten verbergen sich jedoch im Inneren: romanisch und unheimlich seltene karolingische Fresken. In einem Zyklus von 82 Bildern werden biblische Geschichten von David bis zur Christus Passion erzählt. Verschiedene spätantike, byzantinische und frühmittelalterliche Kunststile verschmelzen nicht. Die Unterschiede sind selbst für Laien klar erkennbar. Nicht zu übersehen ist eiine romanisierte Statue Karls des Großen. Der herrscher präsentiert sich in kaiserpose und trägt die alte Reichskrone. Auch diese figürliche Darstellung des Frankenherrschers ist kein Porträt. Das kunstwerk entstand gut 400 jahre nach seinem Tod. Nur wenigen ist bestimmt bekannt, dass der so kriegslüsterne Fürst von der katholischen Kirche zum Heilungen erklärt wurde. Der Blutzoll unter den bekriegten Stämmen im Osten muss unheimlich hoch gewesen sein. Diese blutigen Kreuzzüge im Namen des einen wahren Gottes werden oft vergessen. Nördlich der Kirche sind im erweiterten Museum weitere Fresken und (äußerst ungewöhnlich) karolingisches Buntglas zu sehen.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht man das Tourismus-Highlight von südtiroler Seite aus am einfachsten mit den SAD Bussen, die ab Meran zehnmal täglich verkehren.
M. Süß