Seitennavigation Startseite Artikel hinzufügen An- Abmelden Impressum

Ludwig Wittgenstein – Depressionen & Asperger-Syndrom?

Der berühmten Philosophen Ludwig Wittgenstein wurde als jüngstes von acht Geschwistern 1889 in Wien geboren. Wie auch seine Geschwister hatte Wittgenstein große Talente im musikalischen und intellektuellen Bereich. Wittgenstein baute zum Beispiel im Alter von zehn Jahren eine Nähmaschine. Einer seiner Brüder wurde später ein bekannter Pianist.

Doch auch die Neigung zu Depressionen schien in der Familie zu liegen. Drei Brüder Wittgenstein begingen Suizid. Wittgenstein selbst war, soweit man das aus heutiger Sicht beurteilen kann, jahrelang depressiv. Im Umgang mit anderen Menschen war er einerseits rechthaberisch und autoritär, andererseits sensibel und unsicher. Seine Klassenkameraden sagten über ihn, er sei „wie aus einer anderen Welt herbeigeschneit“. Heute nimmt man an, dass Wittgenstein das Asperger-Syndrom hatte.

Menschen mit Asperger-Syndrom haben oft Schwierigkeiten im sozialen Miteinander mit anderen Menschen. Sie kommunizieren auch eine andere Art und Weise, haben Schwierigkeiten mit pragmatischer Spachverwendung (worunter auch zum Beispiel Redewendungen, Andeutung und „zwischen den Zeilen lesen“ gehören). Menschen mit Asperger-Syndrom kommunizieren direkter und sagen die Dinge so, wie sie sind. Anderen erscheint das in manchen Fällen als unhöflich, doch dies ist nicht intendiert. Vielleicht kam Wittgenstein ja so auf seinen bekannten Gedanken „Alles, was sich sagen lässt, lässt sich klar sagen.“ Seine Art, sich auf philosophische, logische Art der Sprache anzunähern, hat jedenfalls viel vom Asperger-Syndrom. Menschen mit Asperger-Syndrom tendieren dazu, sich Dinge über Logik zu erschließen, da sie ihnen oft nicht intuitiv einleuchtend erscheinen. Manch sind sehr introvertiert und schüchtern, andere gar nicht.

Das Asperger-Syndrom ist eine andere Art zu Denken, eine andere Art, die Welt wahrzunehmen. Charakteristika sind eine abweichende soziale Interaktion, intensiv betriebene Spezialinteressen, und eine ungewöhnliche Art zu kommunizieren.

Das Asperger-Syndrom ist keine Depression. Aber weil Menschen mit Asperger-Syndrom oft als merkwürdig betrachtet werden, nicht verstanden werden und andere Menschen für sie oft unverständlich sind, sind Depressionen nicht selten.
Das Asperger-Syndrom ist eine Form von Autismus, die mit guten sprachlichen Fähigkeiten verbunden ist. Es ist ähnlich oder identisch mit High-Functioning-Autismus und tritt in Familien oft gehäuft auf.

Andere Philosophinnen und Philosophen, von denen es heißt, sie hätten das Asperger-Syndrom gehabt, sind Immanuel Kant, Simone Weil und Spinoza.

Juri Unglaub

Einen Kommentar oder Erfahrungsbericht schreiben

Du mußt angemeldet sein, um kommentieren zu können.