Kleine Kulturgeschichte des Campens
Die Veränderungen in der sozialen Ausbreitung und den Praktiken der Urlaubsreise waren in Keimform sämtlich schon weit vor dem 1.WK angelegt, allerdings entfalteten sie sich von da an mit beachtlicher Dynamik. Das Zelten kam in zahlreichen Kulturen vor und wurde zu unterschiedlichen Zwecken verwendet.
Einher mit der technischen Revolution der 20er Jahre und der voranschreitenden Massenmotorisierung ging auch eine völlig neue Art des Reisens – das Campen.
Nach den schweren Jahren des Wiederaufbaus in Deutschland und dem Aufbruch in die Wohlstandgesellschaft rückte der Traum einer Urlaubsreise wieder in den Vordergrund der Wünsche und Bedürfnisse der Menschen. Mit dem Goggomobil oder der Isetta ging es voll beladen ab Mitte der 50er Jahre mit Kind und Kegel über die Alpen zum Campen nach Italien, das für viele Deutsche zum Sinnbild ihrer Sehnsüchte geworden war. Mit dem Auto, und seiner Bedeutung als Massenkonsumgut, wurde parallel dazu auch das Campen populär. Rimini wurde bald als „Teutonengrill“ bezeichnet.
In der DDR hingegen fuhr man zum zelten - wenn man einen Platz bekam - an die Ostsee oder zum Goldstrand an die Schwarzmeerküste. Junge Leute in der DDR bevorzugten das Fahrrad oder trampten. In der DDR wurde 1957 auch der Prototyp der ersten Maggiolina, dem Dachzelt, entworfen. 1958 folgte die italienische Antwort – das Air Camping Dachzelt. Mit der Popularisierung der Camper und Caravans wurde das Auto zur Heimstätte. Mobilität verknüpfte sich mit Wohnzimmeratmosphäre. Ob nun aber auf der Isomatte unter dem Sternenzelt oder gemütlich im Bett eines Campers - mit dem Campen verbindet sich ein gewisser Lifestyle.
Autor:
Regina Wagner