Kinder als Künstler
Man sagt ja immer, man solle den Kindern beim Malen freie Hand lassen. Grundsätzlich gilt, dass alles, was die eigenen Kinder je gemalt, gezeichnet oder gebastelt haben, das schönste Kunstwerk ist, was Eltern je gesehen haben. Manchmal braucht man aber wirklich sehr viel Phantasie, um überhaupt zu erkennen, was das „Gemälde“ darstellen soll.
Wenn ein der 7-Jährige einen Astronauten neben seiner Rakete auf dem Mond darstellen will erinnert vielleicht nur an eine überdimensionale Gurke, die verschimmelt auf der Küchenplatte liegt. Solche Situationen kann man immer noch damit retten, dass der Kleine eben ein Künstler sei, der eher die Moderne Kunst bevorzuge - und da sei nun mal alles etwas abstrakter dargestellt.
Natürlich mag es sein, dass die stolzen Eltern Recht behalten werden, dass ihr Sohn, der von diesem Tag an nichts anderes tut als jedem Besucher freudestrahlend sein unerkennbares Werk unter die Nase zu halten, wirklich eines Tages als Pionier der Malerei gefeiert werden wird. Dass die Zeitgenössische Kunst ohne seine Werke nicht das gleiche wäre, und dass sich eines Tages die Reporter um ein Interview oder eine Unterschrift dieses bedeutenden Künstlers nur so reißen werden.
Es kann aber auch einfach sein, dass es nicht das Beste ist, den Sohn immer wieder so überschwänglich zu loben, dass er sich am Ende schon im zarten Alter von 10 Jahren für den allerbesten Künstler seiner Zeit hält und sich nicht mehr einfach nur noch damit abgibt, die Schule zu besuchen, oder sich nachmittags mit gleichaltrigen Freunden zu treffen, um zu spielen.
Sollte es so sein, dass er überheblich wird, dass er fortan nur noch die bekanntesten Galerien besuchen will, Kaviar und Schampus zum Frühstück serviert haben will und mit den berühmtesten Frauen seines Landes ausgehen möchte, spätestens dann sollten sich die Eltern fragen, ob sie es mit ihrem Kind nicht vielleicht doch zu gut gemeint haben. Ob es nicht doch besser gewesen wäre, dem kleinen Künstler auch mal direkt ins Gesicht zu sagen, dass man auf seinem Bild nicht das Geringste erkennen kann.
Barbara Adams