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Ich bin bekennender Barhuffan

Irgendwie fällt es mir schwer, Nägel in mein Pferd schlagen zu lassen. Mein Liebling ist doch kein Fakir. Aber bei Hufeisen ist das nun mal so, die werden genagelt.

Ich bin gegen Hufeisen!!! Extra mit drei Ausrufezeichen. Eigentlich sollte man solch ein Statement erst am Ende des Artikels abgeben. Aber dies ist ein Thema, welches mir sehr am Herzen liegt. Und daher kann ich mich nicht beherrschen 😉

Aber jetzt mal ernsthaft betrachtet. Braucht MEIN Pferd Hufeisen? Nun ja, eigentlich nicht. Mein Max muss nicht bis zu 10 Stunden auf Asphalt oder Steinwegen laufen. Nein, mein Freizeitpferd hat es da viel besser als seine Kollegen in der Vergangenheit. Oder zum Teil heute noch. Ich entsinne mich eines Urlaubs in der Karibik (Kuba). Da müssen die Pferde noch richtig arbeiten und etliche Stunden am Tag fette Touristen in der Kutsche spazieren fahren. Zum Thema Tierschutz hier mehr.

Nein, Max geht es da viel besser. Seine Box (leider keine Paddockbox) ist gut mit frischem Stroh gestreut und wird täglich gemistet. Er steht also nicht auf einer (wie heißt es im Reiterdeutsch so schön:) Matratze aus Stroh und Fäkalien, die dem Horn zusetzen. Tagsüber steht er auf seinem Paddock mit Sand. Auch hier haben die Fäkalien keine Chance. Und zur Zeit natürlich (zu seiner großen Freude, dieser kleine Fresssack) auf der Wiese. Natürlicher geht es ja wohl nicht. Hmmmm, da war doch noch was? Ach ja, Reiten! Nein, wir sind weder Reitplatz- oder Hallenfans noch mögen wir die Straße. Und ich glaube, ich kann da für uns beide sprechen, der Wald ist uns am liebsten. Da ist die Abnutzung des Horns auch relativ gering. Und wenn wir wirklich mal irgendwo unterwegs sind, wo starke Abnutzung vorauszusehen ist, dann werden eben die Hufschuhe angezogen. Die haben wir jetzt schon zwei Jahre. Und die sehen immer noch aus wie neu (nur etwas schmutziger:)).

Max’s Hufe sehen wirklich fit aus. Allerdings achten wir auch penibel auf die entsprechende Hygiene und Pflege. Auf den Hufpfleger brauche ich ja nun wirklich nicht hinzuweisen. Obwohl viele Barhuffans Ihren „alten“ Hufschmied kommen lassen. Warum nicht, wenn er gut ausgebildet ist und sich ein bisschen weiterbildet? Ansonsten sucht man sich eben einen der großen Hufpflegeschulen. Darf ich die eigentlich namentlich nennen? Klar, kennt doch sowieso jeder. Aber wen nenne ich denn jetzt zuerst. Der übereifrige Leser könnte die erste Meldung ja als Hinweis auf einen besonders gute Hufpflegeschule nehmen.

Im Grunde schneiden die meisten Hufpfleger mit fundierter Ausbildung nach Straßer (E.I.P.P.), Biernat (DIfHO) oder BESW. Bei der Recherche für diesen Artikel habe ich kurz mal die Suchmaschine meiner Wahl bemüht und bin noch auf EBETA aufmerksam geworden. Zu denen (und vielen anderen) kann ich aber nicht viel sagen. Zu den anderen umso mehr. Ach ja, und dann gibt es noch diejenigen ohne Ausbildung, die sich das eben selbst angeeignet haben. Zu denen habe ich auch was zu sagen.

Aber jetzt mal ran an den Speck. Als ich vor der Wahl eines geeigneten Hufpflegers stand, wollte meine Frau sich gerade beruflich verändern. Was lag also näher, als das Hobby zu Beruf zu machen. Im Internet und der einschlägigen Presse findet man zwar etliche Informationen zu den Hufschulen, aber leider keine Wertungen. Und das war uns ja aus zweierlei Gründen wichtig. Folglich haben wir uns selbst in die Materie eingelesen.

Die erste Schule, für die wir uns interessierten war Straßer. Einer meiner langjährigen Freunde hat dort eine Ausbildung gemacht und arbeitet seither nach diesem Prinzip. Das konnte ja wohl nicht so schlecht sein. Aber was mich als erstes abgeschreckt hat, ist die Festlegung von bestimmten Winkeln des Hufes. Jedes Pferd ist anders. Wie kann man da feste Winkel vorgeben? Als nächstes las ich im Internet, das viele Pferde nach der ersten Behandlung erst einmal lahm sind. Das hat mich ebenfalls ins Grübeln gebracht. Auf das groß durch die Presse gegangene „blutig schneiden“ will ich hier gar nicht erst eingehen. Ich unterstelle mal wohlwollend, das dies niemand absichtlich tut und auch bei Straßer nicht billigend in Kauf genommen wird. Und zu guter Letzt habe ich mir mal ein paar Hufe angesehen, die nach Straßer bearbeitet wurden. Hat mich auch nicht wirklich überzeugt. Jetzt gerade war ich mal eben auf der Straßerseite. Mein schlechter Eindruck wurde auf den ersten Blick verstärkt. Unter der Unterschrift „In eigener Sache“ wird erst einmal klargestellt, das Frau Doktor die Erfinderin des Wortes Hufheilpraktiker ist. Toll ……….. wenn Sie es nötig hat. Als nächstes weist sie auf Ihr Universitätsstudium hin. Ja und, ich verfüge ebenfalls über eine akademische Ausbildung. Allerdings behaupte ich nicht, das alle anderen Stümper sind.

Zitat von http://www.hufklinik.de/30.0.html: „Dabei können einige grundlegende Fragen helfen, zu klären, ob wissenschaftlich fundierte Forschungsergebnisse vorliegen:

Wieviele Universitäts-Semester wurden speziell über Huforthopädie absolviert? Liegt ein Diplom in Huforthopädie vor?

Wieviele Artikel und Bücher zum Thema Hufe wurden veröffentlicht?

Sind diese Kriterien nicht erfüllt, ist die Qualifikation ungenügend, um an Hufen langfristig etwas verbessern zu können.“ Zitat beendet. Dem ist wohl nichts hinzuzufügen!

Als nächstes habe ich mich sehr intensiv mit Biernat beschäftigt. Wirklich SEHR intensiv, weil die Theorie (wie man im Umgangsdeutsch so schön sagt) Hand und Fuß hat. Klingt alles sehr plausibel. Und das Buch von Biernat kann ich wirklich empfehlen. Es ist zwar manchmal etwas umständlich beschrieben, gibt sich gerne einen pseudowissenschaftlichen Anstrich und benutzt Fremdwörter, die in diesem Zusammenhang oft nicht notwendig sind bzw. eigentlich gar nicht passen. Aber jegliche Fehlstellung wird analysiert und der Bewegungsapparat wird sehr anschaulich dargestellt. Aber jetzt mal genug der Schleichwerbung, es ist wirklich empfehlenswert. Dementsprechend waren die ersten Hufpfleger, die an meinem Pferdchen tätig waren, Leute von Biernat. Bei unserem damaligen Stall machte gerade einer der Einsteller eine Ausbildung bei Biernat. Also Informationen aus erstem Huf (ähm, meine natürlich erste Hand). Aber wer lässt schon gern einen Lehrling bei sich arbeiten. Also bestellte ich eine fertig ausgebildete Hufpflegerin von Biernat. Die machte dann zusammen mit dem „Lehrling“ die Eisen ab und bearbeitete die Hufe. Keine besondere Fehlstellung, keine Krankheiten, eigentlich Routine. Diese Hufpflegerin war noch mehrmals bei mir, einmal war eine Urlaubsvertretung da und der Lehrling natürlich auch des öfteren dabei. Aber im Endeffekt hat mein Frau dann doch Ihre Ausbildung nicht bei Biernat gemacht und ich verabschiedete mich ebenfalls von den Biernatleuten. Warum? Nun ja, ich gebe zu, das das schon eine Weile her ist und ich mich an die Details nicht mehr erinnere. Was mir besonders gegen den Strich ging, war die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis. Aus der Literatur wusste ich ja, wie bestimmte kleine Problemchen laut Biernat behandelt werden sollen. In der Praxis hat keiner von den Dreien sich daran gehalten. Das habe ich mir eine Zeitlang angeschaut und dann entschieden, das diese Schule nichts für mein Pferd ist. Was übrigens auch noch ein ausschlaggebendes Kriterium gegen Birnat war, ist der permanente oder auch temporäre Hufschutz. Es gibt einfach Sachverhalte, da ist ein Hufschutz notwendig. Und ich lasse mir von keinem Hufpfleger vorschreiben, ob mein Pferd Eisen- oder Kunststoffbeschläge erhält oder ob eventuell Hufschuhe ausreichen. Ich persönlich bin übrigens ein großer Hufschuhfan und biete sie deshalb auch zu günstigen Konditionen an.

Ja und dann gibt es ja noch die BESW. Die erinnerte mich schon ein bisschen an Biernat. Ich glaube die haben früher auch mal zusammengearbeitet und sich dann getrennt. Auch hier wird sich gerne wissenschaftlich gegeben. Das ist wohl in dieser Branche üblich und erhöht natürlich auch das Vertrauen der Menschen in diese Schule (und den Umsatz der Schule).

Exkurs: Man sollte ich immer vor Augen halten, das sowohl die Hufpfleger als auch die Hufschulen (und alle anderen) einem großen wirtschaftlichen Zwang unterworfen sind. Niemand kann sich heutzutage erlauben einzig seiner Passion nachzugehen. Von irgendwas muss man ja auch leben. Und in diesem Bereich wird mit allen Mitteln Werbung/Marketing gemacht. Prinzipiell ist das verständlich und auch in Ordnung. Aber viele Dinge finde ich einfach übertrieben (siehe oben). Dies gilt nicht nur für die Hufpfleger, die genügend Kunden benötigen, sondern auch für die einzelnen Schulen, die Ihre Kurse voll bekommen möchten.

Die BESW bildet ebenfalls sehr kopflastig aus, legt zusätzlich aber großen Wert auf Praktika. Ob der Hufpfleger umfangreiche theoretische Kenntnisse über den Kreislauf, Ostheopathie, Pferdezähne und diverse andere „Kleinigkeiten“ wissen muss, sollte jeder für sich entscheiden. Gut finde ich auf jeden Fall die umfangreiche praktische Ausbildung.

Bei einem Hufpfleger dieser Schule kann ich zumindest sicher sein, das selbst der Anfänger korrekt arbeitet und keinen „Mist“ an meinem Pferde macht. Mist machen kann das Pferd ja auch selber, dafür brauchen wir keinen Hufpfleger.

Was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat, ist das breite Spektrum. Hier erhalte ich Beratung zu Hufschuhen, Kunststoffbeschlägen, Eisenbeschlägen, Alubeschlägen, Barhuf und …..habe ich noch etwas vergessen? Wirklich sehr umfangreich und vor allen Dingen nicht so dogmatisch wie andere Schulen. Was der einzelne Hufpfleger d’raus macht steht wie immer auf einem anderen Blatt.

Übrigens einzelner Hufpfleger: Während der Ausbildung beim BESW arbeitet der Hufpfleger unter Aufsicht eines gelernten Hufschmied / Hufpfleger. Diese achten darauf, das der „Azubi“ das Kundenpferd korrekt bearbeitet. Anders bei Biernat. Während der Ausbildung arbeiten die Huforthopäden in Spe allein am Kundenpferd. Was viele Pferdebesitzer gar nicht wissen. So dachte auch eine Stallkollegin bei dem ersten Huforthopäden der an ihrem Pferd arbeite, das dieser ja wissen muß was er da tut. Schließlich hat er ja Jahrelange Erfahrung. Ätsch.Ich brauche nicht zu erwähnen, das das ganze schief ging.

Somit kommen wir jetzt zur Gretchenfrage: Wie finde ich den für mich und mein Pferd am besten geeigneten Hufpfleger?

Es gibt hierfür eine Vielzahl von Faktoren. Ich fasse Sie hier noch einmal zusammen. Ein gut ausgebildeter Hufpfleger sollte sich (bevor er/sie überhaupt anfängt zu arbeiten) das Pferd vorführen lassen. Ein Hufpfleger, der einen kurzen Blick auf mein Pferd wirft und dann das Messer wetzt, kann bei mir sofort wieder gehen. Meine Fragen sollte er kompetent aber leicht verständlich beantworten können. Denn derjenige, der weis was er tut kann dies auch fachlich begründen. Umstellungen sollten immer behutsam vonstatten gehen. Auch hier gilt der Grundsatz: never change a running system. Ein Hufpfleger der auf Teufel komm raus seine Vorstellungen durchsetzt muss zwangsläufig damit rechnen, das dies schief geht. Denn auch bei Fehlstellungen sollte man bedanken, das Tier hat sich sein Leben lang an diese Fehlstellung gewöhnt. Sehnen, Muskeln und sogar Knochen passen sich an die Stellung des Hufes an. Und wenn dann der hochmotivierte Hufpfleger oder Orthopäde nach Lehrbuch schneidet, sind die Probleme vorauszusehen. Und zu guter letzt, es ist so selbstverständlich das ich mich kaum traue es zu erwähnen, sollte der mit Tieren arbeitende Mensch auch tierlieb sein. Jemand der professionell mit Tieren arbeitet sollte schon etwas Geduld mit bringen. Jemand der das Pferd schlägt, tritt (schon erlebt, wirklich!) oder mit der Raspel schlägt, sollte sich einen anderen Beruf aussuchen. Und für denjenigen Leser, der jetzt sagt „So einer fliegt bei mir sofort von Hof“, der sollte bedenken, das dies natürlich nicht so offen gemacht wird. Da schaut der Pferdebesitzer mal in die andere Richtung und schon hat das Pferd einen gefangen. So etwas ist nicht notwendig!

Dann gibt es noch die ungeschickten Hufpfleger die nicht in der Lage sind mit dem Werkzeug vernünftig umzugehen. Einen Fachmann erkenne ich nicht an der Figur (groß und breit wie ein Schmied), nicht an der rustikalen Arbeitskleidung und um den Damen gerecht zu werden: Auch nicht am Geschlecht! Im Gegenteil, manche Frau arbeitet in diesem Bereich besser als jeder Mann. Gut sortiertes Werkzeug sollte ebenfalls eine Selbstverständlichkeit sein. Und den Unfallschutz erwähne ich hier nur am Rande. Was ich da schon gesehen habe—–ohje.

Und noch eine Warnung liegt mir am Herzen. Bitte keinen Hufpfleger, der sich alles selbst beigebracht hat. Das ist zwar zur Zeit (leider) noch (rechtlich) möglich, aber sicherlich nicht sinnvoll. Sicherlich gibt es Menschen die sich intensiv in die Materie eingelesen haben, handwerkliches Geschick besitzen und Hufe gut bearbeiten können. Ich würde so einen aber nicht an mein Pferd lassen. Denn das er gut oder schlecht ist steht ihm ja nicht auf der Stirn geschrieben. Und wenn ich zum Zahnarzt muss, suche ich mir auch jemanden aus, der entsprechend ausgebildet ist. Sonst könnte ich mir ja den Hobbybastler von RTL und der Bild nehmen, der seine eigenen Zähne mit der Bohrmaschine behandelt. Nein, nicht mit mir.

Jedes Ding hat immer zwei Seiten. Daher kriegen jetzt auch die Pferdebesitzer ihr Fett weg. Ein Pferd sollte nämlich auch gut erzogen sein. Das Minimum ist, das das Tier bereitwillig die Hufe gibt (außer natürlich bei Krankheiten und Schmerzen). So mancher Hufbearbeiter hat schon ungerechtfertigt Tritte, Blutige Nasen, Bisse etc. einstecken müssen, nur weil der Pferdebesitzer nicht in der Lage ist, sein Tier zu erziehen. Das kann unter Umständen lebensgefählich sein. Auch für den Besitzer. Der sich dann irgendwann wundert, das kein Hufbearbeiter oder Tierarzt das Pferd mehr behandeln will. Übrigens geben erfahrungsgemäß gerade die Pferde, welche die problemlosesten Hufe haben, am besten die Hufe. Wie kommt das wohl? Weil sie an regelmäßige Hufpflege gewohnt sind. Durch den Besitzer und durch den regelmäßig vorbeischauenden Fachmann. Aber die regelmäßige Hufpfleger durch den Besitzer ist ein Thema für meine nächste Abhandlung.

Einen kleinen Seitenhieb kann ich mir allerdings nicht ganz verkneifen. Die Zeitschrift Cavallo, die ich auf Grund der interessanten, kompetenten und informativen Artikel gerne lese, hatte in der Ausgabe März 2010 unter dem Titel „5 Huf-Methoden im Vergleich: Welche passt für Ihr Pferd“ einen Artikel über Hufpfleger. Mit Hilfe dieses Artikels sollte sich doch einfach die richtige Methode finden lassen, oder? Leider hat dieser Artikel nur die gängigen Schulen vorgestellt, aus Werbegründen kam auch jeweils einer der jeweiligen Schule zu Wort und konnte sich über diverse Hufprobleme auslassen, aber eine richtige Entscheidungshilfe war dieser Artikel nicht.

Hoffentlich habe ich es besser gemacht und Ihnen einige interessante Aspekte aufgezeigt, Ihnen das ein oder andere Neue erzählen können und vor allem bei der Entscheidung für einen Hufpfleger helfen können. Mit anderen Worten, ich hoffe Sie fanden den Artikel interessant und konnten für sich ein bisschen mitnehmen.

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Habs verstanden.

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