Historische Baustoffe und ihre Händler
Bei aller Vielfalt des Angebots haben alle Händler “Historischer Baustoffe” gemeinsam, dass sie ihren Focus auf original historische Baustoffe legen – in Abgrenzung zu den Firmen, die sich schwerpunktmäßig mit ökologischen oder traditionellen Baustoffen sowie Replikaten beschäftigen.
Die gemeinsame Klammer ist, dass diese Baustoffe und Bauelemente bereits einmal eingebaut waren, also tatsächlich alt und ursprünglich sind und früherer handwerklicher oder historisch industrieller Fertigung entstammen. Zumeist dokumentiert ihr Äußeres – anders als es bei Rekonstruktionen oder Nachbauten der Fall ist – ihre Geschichte und ihre Funktion, ihre Patina ist Zeugnis des Alters und des Alterns.
Es sind Firmen, die original historische Baustoffe bergen, aufarbeiten, mit ihnen handeln, sie verkaufen oder wieder verwenden. Dabei kann es sich um Objekte und Bauelemente aus Naturstein handeln wie etwa Brunnen, Tröge, Pflastersteine, Säulen und Pfosten, oder es sind Tore und Geländer, Leuchten, Bodenplatten, Fliesen, Fenster und Türen, Öfen, Herde und Kamine, Parkett, Fachwerkbalken, Mauersteine, Hölzer oder Beschläge. Manchmal liegt der Angebotsschwerpunkt mehr auf Gartendekor, manchmal mehr auf Inneneinrichtung, andere Betriebe wiederum sind so genannte Vollsortimenter. Mitunter kann der Kunde auch zusätzliche Handwerksleistungen beim Einbau in Anspruch nehmen, wenn sich z.B. Zimmerer oder Lehmbauer zusätzlich ein zweites Standbein mit Baustoffen aufgebaut haben.
Die Herkunft der Baustoffe und Baudetails ist sehr unterschiedlich. Ideal wäre eine umfassende Dokumentation, aus welchem Gebäudeabriss die Baumaterialien stammen und welche Nutzung dieses Gebäude einmal hatte. Dies ist nicht nur aus den Zielsetzungen der regionalen Bautraditionen und der Denkmalpflege erstrebenswert, sondern auch unter Aspekten der Baubiologie und Schadstofffreiheit der Baustoffe. Ziegel aus den Wänden von Ställen sollte man ebenso nicht für Wohnräume verwenden wie Holz aus landwirtschaftlichen Nebengebäuden, die z.B. der Lagerhaltung dienten und dadurch mit Schadstoffen kontaminiert sein können. Wenn die Quelle nicht bekannt ist, sollte
man im Zweifelsfall immer ein Gutachten eines Materialprüflabors anfertigen lassen.
Baustoffe, die wie Ziegel, Pflastersteine u.ä. zu den Massenbaustoffen zählen, sollten schon aus Gründen der Transportkosten eher in der Umgebung ausgesucht werden, während bei seltenen Baudetails wie z.B. antiken Lampen, Türen mit Glaseinsätzen u.a. der überregionale Handel im Vordergrund stehen wird. Die Spannweite der Händleradressen reicht daher vom Abbruchunternehmer, der aus dem Container im Bergezustand verkauft, bis zu den Antiquitätenhändlern, die sich ihre exquisite Ware durch Importe aus Frankreich, Belgien, Spanien oder den Niederlanden beschaffen und diese nur in ausgesuchter Qualität anbieten.