Die Medici Villen in der Toskana
Nicht nur die Medici schätzten eine Villa au dem Land als Refugium in unsicheren Zeiten; der Besitz einer Domäne in der sanften Hügellandschaft der Toskana wurde allgemein von der herrschenden Schicht als ein Muß angesehen. Als Sommerresidenz kamen die Landsitze ab dem 14. Jahrhundert in Mode. Insgesamt sollen es über 800 Villen gewesen sein. Für deren Besitzer waren diese Landhäuser, die immer mit einem landwirtschaftlichen Gut verbunden waren, aber auch ein gute Kapitalanlage und ein Versorgungsbetrieb. Von dort aus wurden die Stadthäuser beispielsweise mit Wein, Oliven, Getreide oder Öl beliefert.
Literarischen Ruhm erlangte eine nicht näher bekannte Villa in der Toskana in der erotischen Novelle Decamerone. Den Rahmen der Handlung bildet die Flucht von zehn jungen Menschen aus dem pestverseuchten Florenz des Jahres 1348 in eine Villa im Umland. Zehn Tage bleiben sie dort und vertreiben sich die Zeit , indem sie sich erotische Geschichten erzählen – das Decamerone eben.
Heute wie damals sind die meisten Villen in Privatbesitz. Es wäre allerdings nicht die Toskana, würden nicht einige für den Tourismus genutzt. Einige sind zu Edelherbergen umgebaut, andere können von Gästen gegen eine Eintrittsgebühr besichtigt werden. Darunter sind auch ehemalige Villen der Medici.
Die Villa Medicea in Poggio ist wohl eine der schönsten mittelalterlichen Landsitze in ganz Italien. Den Zweitnamen Villa Ambra verdankt das Haus dem Umstand, dass hier der Dichter Poliziano das Poem Ambra verfasst haben soll. In der 1480 nach Entwürfen von Giuliano de Sangallo für den Medici Lorenzo il Magnifico errichteten Villa residierte auch zeitweise papst Leo X. und der italienische König Vittorio Emanuele.
Nahe dem Weiler Artimino kann die Villa Medici La Ferdinanda besichtigt werden. Den Namen trägt sie nach dem ersten Besitzer, Großherzog Fernando I. aus dem Medici Clan. 1594 wurde die Villa als Jagdschlößchen errichtet und ist auch unter der Bezeichnung “Villa der 100 Kamine” bekannt.
Ursprünglich war die Villa Medicea La Petraria im Besitz der Familie Brunetteschi; 1530 ging sie in das Eigentum der Medici über. Nur noch wenig erinnert an den ehemals burgähnlichen Charakter des Landsitzes, lediglich der mächtige Turm vermittelt davon noch einen Eindruck. 1575 wurde die Anlage für Großherzog Fernando in ein elegates Herrenhaus umgebaut.
Die Villa Medicea Cafaggiolo an der alten Via Bolognese erinnert immer noch an eine Festung. Errichtet wurde sie im Auftrag von Cosimo de Medici. Heute steht sie leer und verfällt leider zusehens.