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Der Mensch, von Kurt Tucholsky

Thema: Deutung eines satirischen Textes

Text: Der Mensch, von Kurt Tucholsky
(Quelle: Texte, Themen und Strukturen, Cornelsen Verlag, Berlin 1992, S. 29 f)

Der Autor Kurt Tucholsky kritisiert in dem Text „Der Mensch“, den er 1931 verfasste, die Positionen und Abarten der menschlichen Rasse. Er bringt durch seinen totalitären Schreibstil seine sozial-kritische Meinung über die Schwachpunkte der gesamten Menschheit zum Ausdruck, indem er immer nur von „Mensch“ spricht, wobei er allerdings mit der Textpassage: „Neben den Menschen gibt es noch Sachsen und Amerikaner, …“ (Z. 94 bis Z.95) den Begriff „Menschheit“ einschränkt.

Anhand der folgenden Textstelle sollen die Positionen und Abarten der menschlichen Rasse expliziert werden: „Der Mensch ist ein nützliches Lebewesen, weil er dazu dient, durch den Soldatentod Petroleumaktien in die Höhe zu treiben, durch den Bergmannstod den Profit der Grubenherren zu erhöhen, sowie auch Kultur, Kunst und Wissenschaft.“ (Z. 13 bis Z. 18)
Diese Passage spiegelt auf eine recht makabere Weise die Position des Menschen wieder. Man könnte auch sagen, daß der Mensch, wenn sein Lebenslicht erloschen ist, immer noch einen, nicht zu verachtenden, Wirtschaftsfaktor darstellt.
Aus dem Satzteil „… durch den Soldatentod Petroleumaktien in die Höhe zu treiben, …“ (Z. 14 bis Z. 15) kann abgeleitet werden, daß Soldaten, die ja auch „Mensch“ sind, egal welche Qualitäten sie als solche hatten, spätestens mit ihrem Dahinscheiden wieder zu einem positiven Faktor werden. Die Industrie nimmt sich ihrer an und kann die, zu einer Beerdigung gehörenden, Produkte, wie z.B. Kerzen, Särge, Petroleumlampen usw., herstellen und veräußern. Durch den Verkauf solcher Produkte an die Hinterbliebenen erwirtschaften die Industriefirmen Gewinne, welche sich wiederum zum größten Teil an die Initiatoren oder Teilhaber der Firmen verteilen. Durch die Investition der Gewinne in Firmenvergrößerungen oder Neufirmen steigen die Aktien auf ein höheres Niveau.
Der mittlere Teil des Satzes „… durch den Bergmannstod den Profit der Grubenherren zu erhöhen, …“ (Z. 15 bis Z. 17) beinhaltet neben den, aus dem ersten Satzteil abgeleiteten, wirtschaftlichen Begebenheiten noch einen weiteren, perversen Punkt. Der Mensch, der dem Bergmannstod zum Opfer fällt, hat mit seinem Ableben die, bis zu dem Zeitpunkt des Todes noch nicht entgeltete, Arbeitsleistung anspruchslos verloren, was einen zusätzlichen Profit für den Grubeneigentümer darstellt. Dieses kann natürlich auch auf andere Berufssparten bezogen werden.
Der Schlußteil dieser Textstelle „… sowie auch Kultur, Kunst und Wissenschaft … “ impliziert viele verschiedene Deutungsvarianten.
Der Mensch als Lebewesen fördert die Kultur. Wenn man diesen Aspekt in Anlehnung an der Begriffsdefinition des Wortes „Kultur“ sieht, so bedeutet es, daß sich der Mensch in prähistorischen Zeiten mit dem Beginn der Werkzeugbenutzung und der Ausprägung des Intellekts eine Kultur geschaffen hat. Die Kultur hat sich mit der Geschichte immer weiter verändert. Man kann sagen, daß die heutige Kultur das Ergebnis aller Menschen ist, die jemals auf der Erde gelebt haben. Somit ist jeder Mensch auch ein Bestandteil dieser und formt sie mit.
In der Kultur entstand die Kunst. Das Wort „Kunst“ hat eine sehr ausgeweitete, flexible Definition. Diese Definition beinhaltet einige Variablen, wie Geschmack und Güte, welche z.T. nur individuell festgelegt werden können. Generell kann aber gesagt werden, daß mit Anstieg des Intellektes auch ein Anstieg an Phantasie anherging. Dieser Anstieg ist wiederum, wie auch schon vorher bei der Kultur, geschichtsabhängig. Somit kann jeder Mensch, wenn er sich in dem Kunstbereich aktiviert, den Kunstbegriff mitdefinieren oder mit Werken materiell ausfüllen.
Die Wissenschaft, das systematische Ganze der Erkenntnisse ist ein stetig wachsendes Gebiet. Sie ist zu jedem Zeitpunkt, an dem sie betrachtet wird, das Ergebnis aller menschlichen Intelligenz. Somit ist der Mensch ein kleines Fragment der Wissenschaft. Er kann u.U. auch nach seinem Ableben noch der Wissenschaft dienlich sein, sei es, um frühere, soziale Strukturen empirisch darzustellen, oder einfach als anatomiertes Präparat der Medizin zur Verfügung zu stehen.

Tucholsky stellt anhand des folgenden Textauszuges Schwachpunkte der Menschen dar.
Wenn der Mensch fühlt, daß er nicht mehr hinten hoch kann, wird er fromm und weise; er verzichtet dann auf die sauern Trauben der Welt. Dieses nennt man innere Einkehr. Die verschiedenen Altersstufen des Menschen halten einander für verschiedene Rassen: Alte haben gewöhnlich vergessen, daß sie jung gewesen sind, oder sie vergessen, daß sie alt sind, und Junge begreifen nie, daß sie alt werden können.
(Z. 75 bis Z. 84)

Der erste Teilbereich dieses Auszuges „Wenn der Mensch fühlt, daß er nicht mehr hinten hoch kann, wird er fromm und weise;…“ (Z. 75 bis Z. 76) soll die Mutlosigkeit und Resignation älterer, kränklicher Menschen darstellen. Sie merken, daß sie körperliche Diskrepanzen zu ihrem einstigen Gesundheitszustand haben und weichen von der aktiven Arbeitsplattform nach und nach zurück. Sie versuchen dann, ihren Altersruhestand zu sichern und mit ihrem Intellekt ihre Forderungen und Wünsche zu befriedigen. Ihre Ansprüche an Lebensstandard müssen sie von den Mitteln des Rentengeldes und den der sozialen Versorgung abhängig machen und gegebenenfalls einschränken.
Da dieser Vorgang eher depressivierend wirkt, beschreibt Tucholsky durch den Satz „Dies nennt man innere Einkehr.“ (Z. 78) die bewußte Zurücknahme der Ansprüche gegenüber der Umwelt. Sie wollen ihrem jüngeren, arbeitenden Umfeld nicht mit zu vielen Forderungen entgegentreten, da sie es vermeiden wollen, daß sie aufgrund ihrer Arbeitsunfähigkeit noch gedemütigt werden.
Der letzte Satz aus dem Auszug „Die verschiedenen Altersstufen des Menschen halten einander für verschiedene Rassen: Alte haben gewöhnlich vergessen, daß sie jung gewesen sind, oder sie vergessen, daß sie alt sind, und Junge begreifen nie, daß sie alt werden können.“ (Z. 78 bis Z. 84) erstellt einen direkten Bezug zu der Sozialstruktur im Sinne der Alterseinklassifizierung.
Es ist schon immer so gewesen, daß die ältere Generation auf der Statusskala höhere Ränge einnehmen als die jüngere. Da die Meinungen zwischen den beiden Generationen oft sehr unterschiedlich sind, kommt es zu Streitigkeiten. Die älteren Menschen wollen dabei um keinen Deut von ihrer Meinung abweichen und verpönen die jüngeren Menschen, welche sich wiederum über die Engstirnigkeit der älteren Mitmenschen aufregen und mit Unverständnis reagieren.

Hausaufgabe 1998 von Heiko L.

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