Berühmte Aktfotografen - Wilhelm von Gloeden
Gerüchten zufolge ist Gloeden, der 1856 geboren wurde, ein deutscher Aristokrat aus dem niederen Adel Mecklenburgs gewesen. Seine künstlerischen Interessen verfolgte er in einem Studium der Malerei und Kunstgeschichte, bei dem er auch seiner großen Leidenschaft, dem Theater, frönte. Mitte der 1870er ergriff ihn eine schlimme Lungenerkrankung, die ihn zwang, ins sizilianische Taormina überzusiedeln. Der damalige Bürgermeister Taorminas ist Otto Geleng gewesen, ein deutscher Maler, mit dem sich Gloeden anfreundete. Gloedens Homosexualität wurde von den Einheimischen vielleicht nur deshalb toleriert, weil er einerseits ein Fremder gewesen ist und andererseits über Reichtum verfügte.
Die damalige süditalienische Bevölkerung hatte ein lockeres Verhältnis zur Nacktheit, so liefen beispielweise die Kindern unbekleidet in der Öffentlichkeit herum. Dies stieß bei Gloeden, der von den prüden Deutschen gelangweilt und angewidert gewesen ist, auf Zustimmung. 1880 begann Gloeden damit, Akte von Knaben zu fertigen. Neben seiner erotischen Fotografie arbeitete er außerdem an diverse Porträtstudien der Landarbeiter und betrieb Landschaftsfotografie. Die Verschuldung seiner Familie nötigte ihn dazu, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Mit seinen Ausstellungen zur Aktfotografie wurde er auch in England (London) und Deutschland (Berlin) bekannt und beliebt.
Berühmtheiten wie Oscar Wilde, Richard Strauß und Wilhelm II reisten in die süditalienische Provinz, um den durch seinen Eintrag im Baedeker weitbekannten Fotografen zu treffen. Das Postkartengeschäft, das 1900 blühte, verstärkte Gloedens Popularität auch bei den einfachen Bevölkerungsschichten. Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges ebbte Gloedens Schaffensdrang ab, bis zu seinem Tode fotografierte er nur noch sehr selten. Er starb 1931 in Taormina.
Gloeden ist einer der ersten Fotografen gewesen, der im Freien seine Aktaufnahmen fertigte. Er arbeitete nur mit Plattenkameras, die für ihre extrem lange Belichtungszeit bekannt und gefürchtet waren. Interessant ist, dass er stets eine Dunkelkammer mit sich führen musste, da die damaligen Glasplatten augenblickliche Bearbeitung erforderten. Der Hauptteil der von Gloeden hinterlassenen 3.000 Fotografien wurden von der italienischen Polizei während des Mussolini-Faschismus vernichtet.