Bachblüten und Globuli oder: Wie der Ärztestand seinen Ruf beschädigte
Einst waren sie die Berufsgruppe mit dem höchsten Ansehen: Die Ärzte. Der vielstrapazierte, aber – geht man einmal von der Verehrung aus, die den Medizinern entgegenschlug - gar nicht einmal so unzutreffende Begriff „Götter in Weiß“ beschreibt trefflich, welch hohen Stellenwert der Arzt in der bundesdeutschen Gesellschaft hatte. Bei jeder Umfrage, bei der das Ansehen der Berufsgruppen ermittelt werden sollte, landeten die Ärzte mit weitem Vorsprung auf Platz eins; Professoren, Pastoren, Richter und Piloten landeten weit abgeschlagen auf den Plätzen.
Und heute? Wie stellt sich die Situation heute dar? Nun, das Ansehen der Ärzte ist immer noch vergleichsweise hoch. Aber eins steht fest: Ihr Ansehen hat Schaden genommen. Wer daran Schuld ist? Nun, die Frage ist einfach zu beantworten: Die Mediziner selbst sind Schuld, und niemand, wirklich niemand anders. Denn in einer Zeit, in der die Menschen begannen, sich immer stärker für alternative Heilmethoden zu interessieren, predigten die Ärzte die Schulmedizin als die einzig heilbringende Methode. „Bach-Blüten“, sagte der renommierte Chefarzt einer renommierten Düsseldorfer Klinik süffisant, „Bachblüten und Globuli sind nur etwas für Quacksalber, Hexenmeister und Scharlatane.“ Ob dem so ist, und inwieweit Homöopathie und andere alternative Heilmethoden wirklich genauso wirksam sind wie die Schulmedizin, bleibt dahingestellt. Tatsache ist aber, dass ein Mediziner, der mündigen Patienten erzählt, ihr Interesse an Bach-Blüten sei eine Art Aberglaube, ganz bestimmt nicht dazu beiträgt, das Vertrauen in die Medizin und diejenigen, die sie praktizieren, aufrechtzuerhalten. Ganz zu schweigen davon, dass solche Aussagen ganz bestimmt nicht dazu angetan sind, Patienten, die reguläre Medizin wirklich nötig hätten, von Bachblüten und Globuli wegzubekommen.