Au-pair — Gibst du mir, so gebe ich dir…
Die Idee ist einfach, zumeist für alle Seiten vorteilhaft und vielleicht deshalb so erfolgreich? Junge Erwachsene besuchen ein Gastland, werden von Gastfamilien aufgenommen und unterstützen diese unter anderem bei der Kinderbetreuung. Dafür bekommen sie ein Taschengeld sowie freie Kost und Logis. Sie lernen dabei eine fremde Kultur kennen, verbessern ihre Sprachkenntnisse und entwickeln mehr Selbstständigkeit. Und auch Gastfamilien profitieren nicht allein durch die zusätzliche Kinderbetreuung und die Hilfe im Haushalt, sondern ebenfalls durch den Kontakt mit einer fremden Kultur. Mittler zwischen Familie und Au-pair-Gast sind Au-pair-Organisationen, für passende Rahmenbedingungen sorgt unter anderem die Politik.
Au-pair — Bildung vor Ort
Die 18-jährige Jaqueline liest der fünfjährigen Martina der Familie Meier in Düsseldorf aus einem Märchenbuch vor, dann deckt sie die Kleine gut zu, streichelt ihr Gesicht und knipst das Licht aus: Eine liebevolle Gute-Nacht-Szene und gleichzeitig eine Lernsituation für die Französin Jaqueline, die durch das Vorlesen ihre Deutschkenntnisse verbessert. Jaqueline ist ein Au-pair: „Au pair“ ist ein französischer Ausdruck und bedeutet soviel wie „auf Gegenseitigkeit“: Au-pairs werden an Gastfamilien vermittelt, unterstützen sie beim Waschen, Kochen, Bügeln, bringen die Kinder in die Schule, machen mit ihnen Hausaufgaben, spielen und lesen mit ihnen und vereinen so die Aufgaben, die ansonsten vielleicht Babysitter oder eine Tagesmutter übernehmen: so wie Jaqueline beim Beispiel mit Familie Meier aus Düsseldorf. Die Au-pairs können bei ihrer Gastfamilie wohnen, werden verköstigt, bekommen Taschengeld und nehmen aktiv am Familienleben teil. So lernt man eine Kultur hautnah kennen. Daneben besuchen viele Au-pairs in Deutschland Sprachschulen, um ihre Kenntnisse in der deutschen Sprache zu vertiefen. Ihr Aufenthalt hierzulande dauert meist 12 Monate lang, mitunter jedoch gibt es auch verkürzte Aufenthalte von beispielsweise einem halben Jahr. Angesichts dieser Zeitspanne und der relativen Nähe von Au-pair und Gastfamilie ist es für beide Seiten entscheidend, menschlich gut miteinander zu harmonieren. Eine wichtige Aufgabe kommt dafür den Au-pair-Organisationen zu, die die Verbindung zwischen Au-pair und Gastfamilie herstellen. Um für diese Organisationen transparente, einfach zu erkennende Bewertungskriterien zu schaffen, wurde im Jahr 2004 die Gütegemeinschaft Au pair e.V. gegründet. Sie vergibt das vom renommierten Deutschen Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung herausgebrachte RAL-Gütezeichen für Au-pair an Organisationen, die ihren strengen Kriterien genügen. Die Bedingungen für die meist weiblichen Bewerber um Au-pair-Stellen in Deutschland orientieren sich fast immer am Europäischen Abkommen für die Au-pair-Beschäftigung: Der Bewerber oder die Bewerberin sollte mindestens 18 Jahre alt sein; stammt er oder sie aus einem Land der Europäischen Union oder der Schweiz, dann reicht allerdings auch ein Mindest-Lebensalter von 17 Jahren. Gleichzeitig existiert für Bewerber aus Nicht-EU-Staaten (Ausnahme: Schweiz) und aus einigen der östlichen EU-Staaten ein Höchstalter von 24 Jahren. In jedem Fall sollten angehende Au-pairs Grundkenntnisse in der deutschen Sprache mitbringen.
Andreas Reer
S_reer@arcor.de