Aktien mit hohen Kapitalrenditen
Dem privaten Anleger, der sich nicht alleine auf staatliche Förderprogramme, dem Produktangebot von Banken und Versicherungen oder die Anlagetipps seiner Berater verlassen möchte, bleibt als einzige logische Konsequenz, sich selbst mit den Methoden der Kapitalanlage zu beschäftigen. Zu diesem Zweck benötigt er einen intellektuellen Rahmen, durch den er von den allgemeinen Vorhersagen über die Richtung des Aktienmarktes unabhängig wird und der ihm ein Instrumentarium zur Verfügung stellt, durch das er einzelne Wertpapiere (vornehmlich Aktien) eigenständig und zielgerichtet analysieren kann.
Solch ein Instrumentarium liefern die Methoden des Value Investing. Dessen Begründer war Benjamin Graham, der nach dem großen Börsencrash von 1929 eine vorrangig auf Sicherheit bedachte Anlagestrategie entwickelte. Value Investing lässt sich am trefflichsten mit dem Ausdruck der wertorientierten Kapitalanlage übersetzen. Der Value Investing Ansatz beruht im Wesentlichen auf der gewöhnlichen Ertragskraft eines Unternehmens sowie seiner bilanzierten Vermögenswerte. Letztere sollten jedoch nicht einfach aus der aktuellen Bilanz einer Firma übernommen werden, da hierin auch die sogenannten immateriellen Vermögensgegenstände enthalten sind, die das ausgewiesene Eigenkapital eines Unternehmens – insbesondere nach Übernahmen anderer Gesellschaften – verzerren.
Der Begriff der gewöhnlichen Ertragskraft bezeichnet die unter normalen Bedingungen von einem Unternehmen zu erzielende Höhe seines Gewinns. Eine besondere Bedeutung kommt der Relation dieser Gewinne zu dem vom Unternehmen investierten Kapital zu. Werden Gewinne und Kapitalmittel ins Verhältnis gesetzt, lässt dies Rückschlüsse auf die Rentabilität einer Gesellschaft zu, welche maßgeblichen Einfluss auf die Börsenbewertung der gehandelten Aktien des betreffenden Unternehmens hat.
In diesem Zusammenhang stellt der permanente Wettbewerb, dem jedes Unternehmen ausgesetzt ist, bei der Aktienauswahl mit dem Ziel der langfristigen Kapitalanlage ein Schlüsselelement dar. Da sich der vorherrschende Wettbewerbsdruck in den meisten Fällen früher oder später auf die Höhe der Unternehmensgewinne auswirkt, verdienen die meisten Firmen gerade einmal ihre eigenen Kapitalkosten. Die Aktien dieser Gesellschaften sind für die wertorientierte Kapitalanlage ungeeignet. Stattdessen sollte der Anleger nach den wenigen Unternehmen Ausschau halten, die über einen anhaltenden Wettbewerbsvorteil verfügen und deshalb dauerhaft hohe Kapitalrenditen erwirtschaften. Die Aktien dieser Unternehmen sind es, die ihre Anleger langfristig belohnen.
Mario Wolff